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Am Maine

Da dieser Blog schon eh zu einem reinen Urlaubs-Blog verkommen ist, mache ich einfach munter damit weiter. Never change a running system. Wir waren in Maine, im Nordwesten der USA.

Da gab es Kuriositäten, wie diesen Riesenhummer auf dem Dach eines Restaurants.

Gigantische Hummer

Bevor ich aber zu weiteren Details unseres Trip komme, vorab noch ein kleines Schmankerl:

Wie zuvor schon erwähnt, bin ja fleißiger Benutzer der ausgezeichnet-gepflegten US Interstates und daher selbstverständlich auch Mitglied im US Automobilklub. (Quasi die Yellow Angels.) Und jetzt wurde mir endlich die Ehre zuteil, die jährliche Mitgliedsgebühr aufs vollste auszukosten: Ich hatte einen Platten auf dem Nachhauseweg.
Nun hatte ich zwar einen Ersatzreifen im Auto (heißt hier auch umgangssprachlich Donut), aber die Interstate ist recht lebensgefährlich. Da ist also nichts mit selbst wechseln. Und wofür zahl ich schließlich Mitgliedsgebühr.
Also AAA angerufen und um Hilfe gebeten. „Wir schicken jemanden, kein Problem.“ Nach 45 Minuten hinter der Fahrbahnabsperrung hab ich dann nochmal nachgefragt und erfahren, dass AAA diesen Abschnitt der Interstate nicht bedienen darf, ich solle mich doch an die lokale Interstate Behörde wenden. Danke.

So ähnlich

Nach einer weiteren Stunde war ich dann wieder betriebsbereit und bin den Rest nach Hause gefahren. „Um einen neuen Reifen kümmer ich mich morgen.“ Am nächsten Morgen dann auf dem Weg zum Reifengeschäft: Ein weiterer Platten. Diesmal im Donut. Aber immerhin kannte ich das Spiel schon, also direkt die Interstate Behörde angerufen und mich abschleppen lassen. Voller Erfolg.

Aber alles gut, los gehts.

All good!

Maine ist der östlichste Staat in den USA und einer der am dünnsten besiedelten. Also genau das richtige Ziel für uns: Je weniger Menschen, desto besser. In klassischer Roadtrip-Manier (das Auto voller Zuckergetränke, Chips und dem Great Mighty Poo) sind wir nach und nach dem Verkehr und Lärm entkommen und mit einem kleinen, aber nicht nennenswerten Abstecher in Rhode Island (dem kleinsten der 50 Staaten) dann letztendlich in Maine angekommen.

Die Unterkunftssuche in den ersten Tagen hatte einen recht netten Auswuchs in der Nähe von Belfast, ME:

Bungalow-Life

Unser eigentliches Ziel war dann aber der Acadia National Park, der zum größten Teil auf der Insel Mount Desert Island liegt. Einem lokalen Gespräch im Pub der Airline Brewing Company zufolge ist die Insel mit rund 15.000 Bewohnern bevölkert, sieht im Jahr aber mehr als 2 Millionen Besucher. War uns beim Planen leider nicht bewusst, aber Ende September ist die Saison schon fast vorbei und wir haben (bis auf in der Stadt Bar Harbor) auch wirklich nur sehr wenige Menschen gesehen.

New England Spezial

Der Park ist voll mit gut beschilderten Wander- und Fahrradwegen und wir haben uns nicht lumpen lassen und das Auto so gut wie möglich stehen gelassen. Es gibt sogar ein richtiges Shuttle-Bus-Netzwerk, das sich aber in der Hochsaison sicher mehr rentiert (und wahrscheinlich auch ausreichend gefüllt ist).

Niagara Fall

Die Wanderrouten waren mit Schwierigkeitsgraden von Einfach bis Anstrengend beschrieben, wobei der letztere wirklich ein bisschen ins Mark ging. Den bekannteren Beehive Trail habe ich dann ausgeschlagen; nach meinen Erfahrungen mit Höhe und Abgründen auf Huayna Picchu in Peru, wäre das auch keine gute Idee gewesen. (Der Beehive Trail schlängelt sich an einer Klippe entlang, siehe Bilder.)

„Treppen“

In Maine dreht sich alles um das Wasser, meist das Salzige. Und so haben wir alles mitgenommen, was nur geht. Ein Segeltrip auf der Guildive (einem über 100 Jahre alten Segelschiff, nicht zu verwechseln mit Lady Godiva), eine Paddeltour mit Abstecher auf unsere eigene Insel (Rum Island) und selbstverständlich die Hummerjagd.

Hummerfallen werden auf den Meeresgrund geworfen und haben einen recht komplexen (und rostigen) Netz- und Klappenmechanismus, mit dem die Hummer rein, aber nicht mehr rauskönnen. Quasi eine Mausefalle für Krustentiere.

Jeder darf Hummer fangen, muss sich aber an gewisse Regeln halten (man muss zu große und zu kleine Exemplare wieder zurück ins Wasser werfen, in weiiiiiiitem Bogen).

Was mir aber nicht bewusst war ist, dass man die Hummer kochen muss, bevor man sie essen kann.

Aber da haben wir uns von einem Profi helfen lassen. Mit dem Lazy Lobster hab ich mir den Luxus gegönnt, mir den Hummer fachmännisch zu zerlegen lassen. Kein Kleckern, kommt schon komplett von seinem Panzer befreit aus der Küche und kann spielend leicht mit Butter übergossen werden. Die Tischnachbarn sahen schwer beschäftigt aus, hatten Schürzen an und allerlei Operationsbesteck.

8 von 9 Punkten auf der Urlaubsskala für Maine, USA.

Taiwan

Auf dem zweiten Teil unseres Trips ging es nach Taiwan. Wie auch in Hong Kong werden hier die traditionellen Langzeichen der chinesischen Schrift verwendet. Und daher war weiterhin munteres Raten angesagt, wenn es zum Lesen kam. Gesprochen wurde hier im allerdings Mandarin, also wie auf dem Festland. Aber mit Dialekt.

Traditionell haben wir natürlich nichts für unseren Aufenthalt geplant, wollten uns das Touristenziel #1 Taroko Gorge aber nicht entgehen lassen. Also sind wir als allererstes zum Bahnhof und ich konnte mit meinen fortgeschrittenen Sprachkenntnissen sowohl den Taxifahrer langweilen, als auch die falschen Tickets kaufen. (Es gibt einen SCHNELLzug und einen EXPRESSzug.) Immerhin waren es Tickets für die richtige Richtung.

Zur Feier des Semi-Erfolgs ging es dann zum Shilin Night Market, ein Basar im Erdgeschoss ein Essensparadies im Untergeschoss. Nach dem Auskundschaften der Kulinaritäten haben wir uns schließlich entschieden und habe selbstbewusst die Karte rauf und runter bestellt. (Aufpassen!) Insgeheim habe ich stark geschwitzt, dass ich wirklich Schweinebauch (also Speck) und nicht Schweinemagen bestellt habe, hab das Collette aber erst danach erzählt. Voller Erfolg.

Nach einer interessanten Umbuchung im Hotel (ja, ich war wieder schuld, ich gebe es zu) ging es am nächsten Tag dann mit dem Schnellzug (nicht mit dem Expresszug) nach Hualien. Ohne eine gebuchte Tour ist man dort dann auf eine Privattour durch die Taxifahrer angewiesen und das hat tatsächlich astrein funktioniert. Kurz verhandelt, wild Zahlen, Stift und Nettigkeiten herumgeworfen und wir hatten unseren Ritt für den Tag.

 

Unser Taxitourguide hat uns hier und da dann auf kleine Wanderungen geschickt und wir hatten Glück, dass das Wetter noch viel schlechter angekündigt war, als es sich letztendlich herausgestellt hat. (Es hat schon verdammt viel geregnet!)

 

Am Ende der Tour wurde ich dann von einem Affen attackiert. Hab ihn aber erfolgreich auf Collette lenken können.

Am nächsten Tag sind wir mit dem Schnellzug (ich lerne SEHR langsam) nach Hsingchu. Dort wohnen unsere Freunde Allie & Andy, die wirklich ausgezeichnete Gastgeber sind. Wir wurden nicht nur fürsorglich mit Getränken, Essen und Unterhaltung versorgt, wir hatten auch einen Riesenspaß daran mit ihren Motorrollern die Umgebung zu erkunden.

(Die beiden hatten sogar einen Helm, der mir gepasst hat. Ich denke, das ist sehr wichtig zu erwähnen!) Nach einem wirklich tollen Wochenende sind wir dann für den letzten Tag wieder zurück nach Taipei und haben ein Teehaus in den Bergen im Süden der Stadt besucht.

Mit der Teezeremonie ist nicht zu spaßen. 29 Schritte (in Worten: neunundzwanzig) mit mehrmaligem Umgießen, aufbrühen und abwarten. Nach dem Regen aber ganz willkommen.

Wie auch schon am Ende unseres Urlaubs in Japan sind wir uns ziemlich sicher, dass das nicht der letzte Besuch für uns in dieser Region ist.

Hong Kong

Hong Kong, der „wohlriechende Hafen“. In Anbetracht der Tatsache, dass der Flughafen blitzblank sauber war leider keine korrekte Bezeichnung. Ein leichter Hauch von Chlor schwebte in der Luft, nach einem 20 stündigen Trip aber recht willkommen und wir konnten über die fehlleitende Bezeichnung hinwegsehen.

Die Stadt ist eine der am dichtesten besiedelten Regionen der Welt und der Stadtkern verteilt sich auf die Hong Kong Insel und die Kowloon Halbinsel, eigentlich auch recht überschaubar. Während die modernen Stadtteile im Grunde jeder anderen Metropole ähneln, ist der alte Stadtkern jedoch ganz vorzüglich anzuschauen. Geschäftige Straßenzüge unter surrenden Klimaanlagen, trocknender Wäsche (was bei der Luftfeuchtigkeit sicher ein effizientes Unterfangen ist), rote Taxis aus den späten 90ern, einer unfassbar hohen Zahl an Tesla Wunderautos und jede, jede Menge an Kuriositäten an jeder Ecke. Unmengen von Goldfischen in Plastikbeuteln, jede Menge Tchotchkes, paradiesische Mengen an spottbilligem Elektronikzubehör (nimm DAS, eBay!) und verdammt praktische, wiederaufladbare Taschenventilatoren.

Andere Straßenzüge (wie zum Beispiel die Kreuzung im Bild oberhalb) könnten auch in New York stehen (Bowery Ecke Grand Street).

Direkt nach der Ankunft sind wir dem Jetlag zu trotz losgezogen und haben erstmal einen traditionellen Snack zu uns genommen. Takoyaki und Bubble Tea. Nach anfänglicher Euphorie darüber, kam dann die Erkenntniss, dass Takoyaki ein japanisches Gericht ist und Bubble Tea aus Taiwan stammt. Klassiker. Wie in jeder anderen Metropole also.

Durch die irre Zeitverschiebung (12 Stunden) haben wir uns anfangs den Luxus eines 16-Uhr-Schlummers gegönnt, der ist dann leider in Tiefschlaf ausgeartet und wir sind um 3 Uhr nachts aufgewacht. Aber nicht weiter schlimm, da machen ja die ersten Lokale zum Frühstück auf. Ab ins Taxi, nach West Hong Kong zum Dim Sum Schmaus. Anschließend war es dann „spät“ genug, dass die Tram zum Victoria Peak geöffnet hatte und wir waren unter den ersten Fahrgästen (gegen 7 Uhr).

Ein weiterer Vorteil war, dass es noch nicht ganz so heiß gewesen ist um diese Uhrzeit. Gegen 9 Uhr war es das dann aber doch.

3 Tage waren ausreichend, um die Stadt kennenzulernen. Mit etwas mehr Zeit hätten wir auch Macau noch einen Besuch abstatten können, das ist nur einen Katzensprung entfernt. Alles in allem, eine sehenswerte Stadt; ausgezeichnet zu Erkunden.

Müllplatte

Der Sommer ist vorbei. Zeit über den Sommer zu schreiben.

Am Independence Day Wochenende dieses Jahr (Anfang Juli) waren wir – einer alten Tradition folgend (das exakt erste Mal) – in Rochester, NY. Rochester ist fast schon in Kanada, aber eben auch nur fast. Es liegt am Lake Ontario und man kann Kanada auf der anderen Seite sehen. Fast.

Luke’s Familie hat ein Motorboot. Was wie ein Die Ärzte Song klingt war eine Spitzeninvestition. Wir hatten perfektes Wetter, kühle Getränke und einen Spitzenadmiral als Kapitän (siehe auch: High Mud Leader – Admiral).

Die Stadt hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Buffalo, NY und Pittsburgh, PA: Im Lauf des 20. Jahrhunderts mit viel Industrie gesegnet, mittlerweile aber anderen Richtungen zugewandt; die University of Rochester ist der größte Arbeitgeber.

Das mit Abstand hervorstechendste Merkmal dieser Region ist jedoch die lokale Kochkunst: Die sognannte Garbage Plate (wortwörtlich: Müllplatte). Man sucht sich ein paar Basis-Gerichte aus (Nudelsalat, Kartoffelsalat, Pommes), wählt anschließend zwischen Burger und Hot Dog (für die mutigen auch beides) und ertränkt den ganzen Teller dann in Fleischsoße. Den mutigen Lesern empfehle ich eine Google Bildersuche.

Der Rest des Sommers war von allerlei Hochzeiten geprägt (ich zähle bisher 4 Stück) und nach dem nächsten Wochenende ist das dann auch endlich vorbei. Wenn ich noch ein Stück ZUCKERHOCHZEITSTORTE ESSEN MUSS… wäre das eigentlich ganz fantastisch. Zucker. Oh ja.

Musik: Livemusik ist hier im Herbst/Winter traditionell etwas weniger verbreitet, was uns auch recht gut in die Karten spielt. Unser Sänger hat sich nämlich pünktlichst 5 Tage vor der Veröffentlichung unseres Albums verabschiedet. Nachdem wir dann bei iTunes, Spotify, etc. die Veröffentlichung zum Glück noch aufhalten konnten sind wir jetzt wieder bei der Lieblingsbeschäftigung: Sänger Auditions. Dazu aber ein anderes mal mehr.

Inklusion

Cold Open: Zwei Doktoranten bei mir auf der Couch, der eine zum anderen gewandt:

„Hast du eigentlich schonmal gearbeitet?“

Das Leben in New York City verleitet manchmal zu der Frage, wie stark der allgegenwärtige Wahnsinn denn eigentlich abfärbt. Und ist jeder, der auf der Straße mit sich selbst redet eigentlich verrückt? Könnte auch eine Person mit Bluetooth-Headset sein. Leute, die sowas tragen leisten immerhin auch zu einem Grad Inklusionsarbeit. Lässt diejenigen, die mit sich selbst reden etwas weniger aus der Menge hervorstechen. Aber dann wiederum stich in New York wirklich niemand richtig aus der Menge hervor.

Was hingegen dann doch hervorsticht ist dieser Einkaufswagen-Becherhalter:

Einkaufswagen Becherhalten

So und nicht anders im Stew Leonard’s Supermarkt. Das ist aber noch nichtmal das tollste. Im ganzen Markt verteilt singen und tanzen Animatronics. Wie in einem Freizeitpark. Schaurig.

Im März sind wir für ein paar Tage nach Uruguay geflogen. Tatsächlich ist der Name dieses Landes Republik Östlich des Uruguay. Ganz im Gegensatz zu Paraguay, welches einfach nur Paraguay heißt.

Nach ein paar Tagen in Montevideo hatten wir den Dreh dann raus, wie man sich als Lokaler verhält: Man trägt den ganzen Tag eine extrem unhandliche Thermoskanne in einem Umhängebeutel durch die Stadt und hält einen Becher aus getrocknetem Kürbis in der Hand, der mit einer Kräuter-Partymischung gefüllt ist und regelmäßig aufgegossen wird. Zusätzlich ist die korrekte Zeit zum Essen auszugehen 11 Uhr. Abends. Die ersten zwei Abende dachten wir, die Stadt sei ausgestorben; das geht aber tatsächlich erst so spät los.

Changan Benni

Mit dieser quietschfidelen, motorgetriebenen Kugel sind wir dann durch das Landesinnere gepeitscht. Collette musste regelmäßig mit Klebeband die auseinanderfallenden Komponenten wieder an die rechten Stellen fixieren. Letztendlich hat ihr „Doppelter Getriebe-Bypass“ auch gehalten.

Rückgabezustand

Ein fantastischer kurzer Urlaub mit einer ungeheuerlichen Menge an Rindfleisch und Pasta. Da sind wir uns mit dem lokalen Gusto einig gewesen. Uruguay ist ein faszinierendes Land. Ich hatte das Gefühl, dass dort ein wenig die Zeit stehen geblieben ist und das meine ich in diesem speziellen Fall mal nur mit guten Hintergedanken.

Meine Arbeit als Schöffel am Landgericht von La Paloma

Wedding, BL$NG BL$NG

Vorab für die, die das Glück hat, nicht schon auf Facebook von mir damit genervt zu werden: Meine Tätigkeit als Musiker in New York trägt mittlerweile ein paar Früchte: Drei Songs sind mittlerweile zum on- und offline anhören verfügbar. (Auch auf Spotify und Apple Music.)

SuperVicious Albumcover


Durch diverse Umstände ist die Anzahl an deutschen Hochzeiten, bei denen ich als Gast anwesend sein konnte, leider sehr gering geblieben. Ich hab jedoch an die erfolgreich beigewohnten Zeremonien recht positive Erinnerung und ich persönlich freue mich auch immer drauf. Tolles Essen, die ein oder andere Flasche Wein, generelles Amüsement.

Hochzeiten in den USA sind ein ganz anderes Kaliber. Vom Umfang, über Traditionen bis hin zum Budget. So kostet die durchschnittliche US-Feier stolze $31,000 und damit mehr als die Hälfte eines durchschnittlichen US-Jahreseinkommens (siehe Quelle). Und dann geht die Feier auch nur von 15 bis 21 Uhr. Und den Kuchen gibt’s auch erst zum Schluss. (Immerhin gibt es einen Kuchen.)

Letztes Wochenende haben wir (der Hasselhoff-Haushalt) uns das Vergnügen gegönnt und sind zu einer Joint-Bachelorette Party nach Orlando, Florida geflogen. Richtig. Da ist das Land mit der Maus, wo alle Träume wahr werden. Aber wir waren nebenan, wo die ganzen anderen Träume wahr werden: Die Universal Studios. Und nach meiner anfänglichen missmutigen Deutschtümelei am Eingang über die Abgabe der Fingerabdrücke (kein Scherz) und die Verwunderung über Metalldetektoren vor Achterbahnen hab ich mich auf die komplette Immersion eingelassen.

Und was ein Wahnsinn. Achterbahnen in Kombination mit massiven Roboterarmen und beweglichen Leinwänden (sprich: Harry Potter and the Forbidden Journey) war die perfekte Kombination für einen Technik-Nerd / Nerd-Nerd. Das ganze kann man sich ungefähr folgendermaßen vorstellen:

Aber auch abseits der Attraktionen gab es so viel zu entdecken (und verzehren), dass man den alltäglichen US-Medienzirkus mal einfach vergessen konnte. (Obgleich der Park der Mediengruppe NBCUniversal gehört.)

Krustyland, Universal Studios, Orlando
Krustyland

Im Simpsons-Teil der Studios gab es selbstverständlich eine (zum Glück hygienisch optimierte) Kopie von Moe’s Taverne. Und gegenüber gab es Bumblebee Man’s Taco Truck. (Und passend auch der direkt daneben geparkte DeLorean aus Zurück in die Zukunft.) Das servierte Duff war kühl und erfrischend. Fälschlicherweise hat es sich bei Duff Lite und Duff Dry jedoch um andere Geschmacksrichtungen gehandelt. Hier das Original:

Zusammengefasst: Ein wunderbar warmes Wochenende in Florida im Winter, leicht einen sitzen und Achterbahnen fahren. Wundervoll.

Auf Wiedersehen und Guten Tag

Durchatmen. Käse verdauen. Sich irgendwie an Silvester und „Karneval“ vorbeischlängeln. Der Lustigkeit widerstehen.

von: The Oatmeal (theoatmeal.com)
von: The Oatmeal (theoatmeal.com)

Die USA ist Einwanderungsland. Offensichtlich. Ich bin eingewandert. Kann also gar nicht anders sein. Und da ist das Thema Sprache selbstverständlich ein großes Thema. Dann zerlegen wir das ganze einmal:

Es gibt in den Vereinigten Staaten von Amerika auf Bundesebene keine offizielle Amtsprache. (Anders in der Bundesrepublik Deutschland. Da ist Deutsch die Amtssprache. Und eine ganze Reihe Minderheitensprachen wie zum Beispiel Platt und Sorbisch). Wie so oft haben die einzelne Staaten jedoch ihre eigenen Regelungen und Gesetze und es gibt keinen „gesamtamerikanischen Konsens“. (In Louisiana zum Beispiel wird von offizieller Seite auch teils von der französischen Sprache Gebrauch gemacht.)

Man hört und liest auch immer mal wieder, dass in den USA über Deutsch als Landessprache gesprochen worden wäre und es nur an einer Stimme gescheitert ist. Das ist leider ziemlicher Unfug und wird im gemeinen auch als Muhlenberg-Legende bezeichnet. Außerdem ging es auch nur um Pennsylvania. Wie dem auch sei, in den meisten High-Schools hier ist es Pflicht ein paar Jahre lang eine Fremdsprache zu belegen. Das ist dann meist Spanisch, aber auch Französisch oder Deutsch. Und auch meist das erste, was nach der Schule auch wieder vergessen wird. Also ganz ähnlich wie in Deutschland. Aber hey, das stört die meisten hier nicht davor die folgende Konversation mit mir zu führen:

„So where are you from?“
– „I’m from Germany.“
„Oh, sprecken Sie Deutsch? Auf wiedersehen und ein Bier bitte.“

Diese Konversation – in weiteren Variationen oftmals mit „Sauerkraut !“ oder „SchweinHUUUUND!“ bereichert – führe ich recht regelmäßig. Es stört mich auch nicht weiter, aber überlegen wir uns das mal andersherum. Ein englischer Muttersprachler mit guten deutschen Sprachkenntnissen auf einer Party in Deutschland:

„Hallo, ich bin Mike. Wie heißt du?“
– „Oh, du kommst aus Amerikanien? One Hamburger, please. Hot Dog. Baseball!“

Wundervoll. Lege ich jedem ans Herzen, das mal genau so zu machen.

BREAKING NEWS!

Breaking News. Aber keine Angst, ich werde zu dem aktuellen politischen Freizeitpark-Geplänkel keinen Analyse abliefern. Es gibt genügend Narren, die das tun. Ich möcht lediglich mal ein wenig über die Nachrichten-Erstattung hier berichten.

US News sind generell deutlich politisch gefärbter, als die Nachrichten in Deutschland. Sicherlich kann man auch in den deutschen Nachrichten (und ich rede von den Öffentlich Rechtlichen) das ein oder andere Mal eine gewisse Nähe zu politischen Gesinnungen erkennen, aber bei weitem nicht in dem Maße, in dem das in den USA geschieht. Und das liegt zum großen Teil einfach am Finanzierungsmodell.

In Deutschland stellt der Rundfunkbeitr die Rundfunksteuer (welche derzeit mit 210,00€ im Jahr vom bereits versteuerten Einkommen zu Buche schlägt) sicher, dass eine möglichst unabhängige Berichtserstattung – frei von Werbung – zur Verfügung steht. (Mal ganz abgesehen davon, dass sich z.B. der ZDF immer noch zu ca. 10% von Werbung finanziert.)

Wie dem auch sei. Da geht es um bei weitem nicht so große Beträge, wie in den USA – dem Mutterland der Werbeindustrie. Hier gibt es de-facto kein öffentlich rechtliches Fernsehen. Es gibt zwar ein paar Beispiele wie NPR, PBS, etc. welche mit Hilfe der Corporation for Public Broadcasting auch von der Regierung mitfinanziert werden. Den Löwenanteil an Zuschauern teilen aber die Big Three der Kabelnews unter sich auf: CNN, Fox und MSNBC.

Und die unterscheiden sich mitunter stark in der Berichtserstattung. Was wird gesendet, welche Partei wird unterstützt, wird konservativ oder liberal berichtet und werden es morgen 75°F oder 76°F.

Ich bin bemüht, mir eine möglichst neutrale Meinung von den Geschehnissen hier zu bilden und habe daher angefangen ein Unterhaltungsmedium (Fox News) per Podcast auf meinem Arbeitsweg zu lauschen. Das hat für zwei Tage funktioniert. Dann wurde über einen Mann berichtet, der aus einer Wasserrutsche gerutscht ist. Auch wenn das mir natürlich leid tut, schien es nichts wichtigeres zu geben an dem Tag.

Als nächstes hab ich es mit ABC News probiert. Ein wenig neutraler. Lief für ganze vier Tage gut. Dann ging es jedoch um Mike aus Oregon und seine Stalker-Gans „Kyle“. Mittlerweile bin ich bei CBS News gelandet. Auch eher im neutralen Sektor, aber nicht frei von Berichten über Nilpferd-Babys.

Ich finde mich also damit ab ab, dass hier diese kurzen Geschichten ein Teil der Berichtserstattung sind. Man endet die Nachrichten eben gerne mit 1-2 Minuten Amusement, um den Zuschauern ein gutes Gefühl zu geben. „Gell, das schauen wir morgen wieder!“ Zum Glück kann ich mein Smartphone im Auto per Sprache steuern:

OK, Google: SKIP!

Die Nackenstütze

Nach ausreichenden Jahren der Ausbildung zum Ingenieur und hinreichender Berufserfahrung kann ich Arbeits- wie Privatleben folgendermaßen zusammenfassen:

a) Problem – Methode – Lösung
b) Projekt – Planung – Abschluss

Das Thema Automobil schafft es jedoch, mich vollends aus dem Konzept zu werfen. Ich habe immer noch keine emotionale Beziehung zu dem Gefährt aufgebaut und schere mich auch keine zwei Cent um den äußerlichen Zustand. Seit April ist es noch nicht gewaschen worden, lediglich die Wartungsintervalle halte ich als Ingnieur penibel ein. Alles, was mit mehr als „fährt mich sicher von A nach B und wieder nach A zurück“ zu tun hat, bereitet mir Unbehagen.

Zur eigentlichen Thematik: Kurz nach der Anschaffung meines fahrbaren Untersatzes ist mir aufgefallen, dass die Nackenstütze des Beifahrersitzes sich nicht in der Höhe fixieren lässt. Das ist ein Ärgernis und ein potentielles Sicherheitsrisiko, also habe ich mich entschieden 5 Minuten zu investieren. (Wir erinnern uns: SICHER von A nach B.) Untersuchungsergebnis: Die Nackenstütze passt nicht zu dem Sitz, die Einkerbungen sind auf der falschen Seite der Metallstäbe.

AHA! Da hat die Werkstatt nicht aufgepasst und wohl vor dem Verkauf die Nackenstütze mit einem anderen Modell verwechselt. Wie könnte es auch anders sein.

Mein Lösungsansatz lautete daher: Eine Investition von $20 für eine neue Nackenstütze zu tätigen. Gesagt, getan, Paket erhalten. (Im Grunde genommen, war zur Zustellungszeit natürlich niemand zu Hause und ich konnte das Paket zur arbeitnehmerfreundlichen Zeit beim USPS abholen. Sonntags früh von 4:30 Uhr bis 5:15 Uhr.)

Bewaffnet mit der neuen Nackenstütze, schleifenden Armen und einer angstverzerrten Grimasse bin ich also in Richtung Auto. Und noch bevor ich die Türen entriegeln konnte, fiel es mir wie Schuppen vor den Augen: Die Nackenstütze steckt doch garantiert nur verkehrt herum drin.

Anschließend folgten ein paar deftig-herzhafte Schimpfwörter.

Die Ersatz-Nackenstütze fährt seitdem als blinder Passagier im Kofferraum mit.

Das große Bibbern

Wer schonmal ein paar Tage in den USA im Sommer verbracht hat, kann das Leiden nachvollziehen. Und jetzt, da mein zweiter Sommer hier dahinscheidet, ziehe ich mal Resümee: Draußen verdammt heiß, drinnen verdammt kalt. Man hat sogar schon von Geschichten gehört, dass es durch die heftigen Temperaturgefälle zu spontanen Gewitterausbrüchen in den Lobbies von Bürogebäuden gekommen ist (siehe auch Troubadix).

Aber mal von vorne: Das Klima in den USA ist im Allgemeinen deutlich extremer als in mitteleuropäischen Gefilden. Es mag hier zwar Ecken geben, in denen es vielleicht ähnlich ist, aber wenn man landläufig von den USA spricht, dann meint man eben die extremen Ecken (New York, Texas, Nebraska und auch alles dazwischen). Im Sommer spielt Temperatur und Luftfeuchte wirklich verrückt und ich möchte hier wirklich nicht ohne Klimaanlage leben.

Die AC

Aber so extrem wie hier die Temperaturen sind, so extrem sind auch die Gegenmaßnahmen. Die meisten mögen es im Sommer kalt in den Innenräumen. Und mit kalt meine ich wirklich kalt. Das U.S. Department of Energy empfiehlt (siehe Link) im Sommer eine Raumtemperatur von 78°F (entspricht in etwa 26°C). Da dies nicht den gewünschten Kühl-Effekt beim „In-die-Tür-hereinkommen“ bringt, trifft man diese empfohlene Raumtemperatur wirklich nirgends an. In Wirklichkeit ist so etwas wie 70°F eher die Norm. (Im Rest der Welt sind das ca. 21°C.) Und diese Raumtemperaturen sind bei gegebener Außentemperatur nur zu erreichen bei ordentlichem Luftumsatz, d.h. innen weht ein flottes Windchen und man sitzt tagein tagaus im Zug.

Und keinen scheint es zu stören. Kurze Hose, T-Shirts, ab und an hört man mal ein „Schon ein bisschen kalt…“ und sieht ein anschließendes Achselzucken. Die sind hier schon härter im Nehmen.

Und das ist nicht nur ein Problem in öffentlichen Einrichtungen und Büros. In den Autos setzt sich das ganze fort. Ich habe mal den Sommer darauf geachtet und nach dem Einsteigen ist die Reihenfolge des Feld-Wald-und-Wiesen-Amerikaners: Zundschlüssel rein, Klima AN, MAXIMUM KALT!!!!!! Mein Auto besitzt sogar einen eigenen Knopf dafür:

MAX POWER!!!

Und selbst diejenigen, die im Besitz einer Klimaautomatik sind (siehe hier), stellen diese auf 66°F (umgerechnet also in etwa 200 Dezi-Liter) und frieren dann nach 5 Minuten. Aber gefroren wird hier mit einem großen Lächeln auf dem Gesicht. WEIL MAN ES JA KANN!

Achja: Am 1. Oktober ist die Klimasaison vorbei. Da kommen die Anlagen dann aus den Fenstern raus. Dann ist es 3 Wochen erträglich und dann wird die Heizung aufgeknallt und mit dem Fenster die Temperatur reguliert.