Eine Baywatch aus Worscht-Schinken

In einem Land, wo Service so hoch angesehen wird wie hier, ist es wirklich sehr selten, dass man mal auf unfreundliches Personal trifft. Doch obacht, der United States Postal Service (kurz: USPS) hat es in sich. Die Filiale meiner Wahl befindet sich in Laufweite und ist eine wahre Pracht: Ganz gleich wie lange die Schlange ist, arbeiten hier maximal 2 Personen hinter kugelsicherem Glas (!!!). Die Pakete werden über eine Schleusenfunktion (d.h. kein physischer Kontakt zur anderen Seite möglich) ausgetauscht und anschließend in einem undurchsichtigen Verfahren frankiert. Es gibt mehr als 6 verschiedene Grundoptionen und ca. 20 zusätzliche Extras auszuwählen. Die unterscheiden sich alle wirklich nur minimal in ihrem Umfang, aber maximal im Preis. Weiterhin muss die Person hinter dem Schalter dennoch das Ziel manuell in ihren Computer eingeben und das Paket vermessen. Kommt nämlich ganz stark auf Gewicht, Größe und Ziel (innerhalb des Landes) an. Das ganze zieht sich wirklich furchtbar in die Länge. Völligst grundlos. Ich erinnere mich daran, wie ich für eine Briefmarke 5 Minuten (ungelogen!!!) am Schalter gestanden habe. Für EINE Briefmarke. Am SCHALTER wohlgemerkt, nicht in der Schlange. Das erklärt dann auch warum eine Warteschlange mit mehr als 5 Personen hier schon recht grauenhaft ist. Da lob ich mir doch tatsächlich mal die Deutsche Post AG (im Unterschied zum USPS, der eine Regierungsbehörde ist), wo die meiste Zeit nur mit Lotto und der Frage, ob ich denn auch schon heute brav an meine Altersvorsorge gedacht habe verschwendet wird. „Ja habe ich! Eine Briefmarke bitte! Danke! Wiedersehen!“ Unter 30 Sekunden.


Collette auf FlascheNach dem Verlassen von Salt Lake City ging es weiter gen Westen auf der Interstate 80. Die führt wirklich kerzengerade durch die Salzwüste. Liegt wohl daran, dass sie mitten durch die Militäreinrichtung Utah Test and Training Range führt und man wollte wohl keinen Platz verschwenden. Aber kerzengerade heißt auch, dass man hier mit satten 80mph durch die Gegend brettern kann. (Das sind um die 130km/h und das ist hier echt ne ganze Menge). Die Umgebung ist wirklich kahl und flach und daher ideal für Geschwindigkeitsrekorde. Ich musste bei der Umgebung direkt an den Film The World’s Fastest Indian mit Anthony Hopkins denken. Und tatsächlich, der Bonneville Speedway (auf dem immer wieder Geschwindigkeits-Rekorde für Fahrzeuge aufgestellt wurden) befindet sich auch genau hier. Ansonsten gab’s hier wirklich verdammt viel Salz und Sand.

Everything has a price in CaliforniaDie Grenze zu Nevada war leicht auszumachen, da das erste Casino noch vor dem Willkommensschild zu sehen war. Nevada…. aaah richtig, da ist Las Vegas. Und das war’s auch schon. Wirklich. Die Route 50 heißt nicht umsonst Loneliest Road in the World. Ich habe gezählt. Den Rest des Tages haben wir nicht mehr als 20 Autos gesehen. Die Dörfer verfallen, so richtig tote Hose. Anscheinend hat Stephen King mal die Route 50 genommen und war so begeistert von den Städten und der Einsamkeit, dass er eines seiner Bücher geschrieben hat. Unheimlich, ja wirklich. Daher auch mein beherzter Gesichtsausdruck, als wir über die Grenze dann nach California sind. Wurde auch schlagartig wieder ein bisschen zivilisierter. Da unser Auto ein Nummernschild aus New York hat, fallen wir natürlich auf. Und klar, an der Grenze wurden wir erstmal angehalten von einem Grenzoberwachtmeisterbeamten. Ob wir denn Obst dabeihätten. „Klar, willst’n Apfel?“ Hat er dankend abgelehnt. War anscheind auch kein Problem, ihm war scheinbar leicht langweilig und er hat uns in ein Gespräch verwickelt, da er ursprünglich wohl von Long Island kommt. Also kurz geplauscht und rein in den Staat.

NeverlandCalifornia hat allerlei zu bieten, ist ja immerhin auch der bevölkerungsreichste Bundesstaat. Eine der ersten Attraktionen, die uns erwartet hat war dieses… Haus? Auf keiner Karte verzeichnet, kein erklärendes Schild, nichts. Ich vermute, es ist eine zweite Neverland-Ranch. Oder der kleinste Vergnügungspark der Welt. Vergrößert einfach mal das Bild und schaut, was da so alles wimmelt. Wer nähere Informationen zu diesem Haus hat, ich bin interessiert.

Abschließend noch etwas, das mir gerade im letzten Teil des Roadtrips als Ohrwurm im Hirn herumgeschwommen ist, ich jedoch mit niemandem teilen konnte. (Jaja, der Flori war auch da!)