Das Auto in New York oder: Jeden Tag ein wenig schlechter

Ich bin ja im allgemeinen nicht bekannt als großer Freund des Automobils (im Sinne von Besitzen und Fahren). Im Gegenteil. Ich kann es gar nicht erwarten, bis jeglicher Individualverkehr in den Städten komplett abgeschafft ist und wir alle automatisiert unterwegs sind.

Dass ich mir dann letztendlich doch ein Automobil anschaffen musste, hat für muntere Magenkrämpfe und Gemütsverstimmung gesorgt. Vorbei mit der Pendelei mit den Öffentlichen, bei der ich mich zwischen Kaffee-Atem, Salamibrötchen-Geruch und Zwangsbeschallung aus Smartphone-Lautsprechern die Zeit mit dem Lesen vertreiben konnte. Vorbei mit €3,60 am Tag für dieses Vergnügen. Jetzt gehöre ich zu der wütenden Masse an Autobesitzern mit schier endloser Hingabe zum Drängeln, Rasen und Schneiden (nicht zu verwechseln mit Schneiden, Legen, Föhnen) und einer allgemeinen Leidenschaft für Streitsucht.

Meine morgendliche Routine hat sich also etwas ändern müssen, damit ich den Stereotyp auch vollends bediene:

  • Ich schmeiße morgens meine umweltschändende Kapsel-Kaffeemaschine an und braue mir ein kaffeeähnliches Getränk namens „Breakfast Blend“ in eine verschließbare Thermoskanne, die bestens im Becherhalter platzfindet. (Das Auto hat 4 Becherhalter, ich habe gezählt.)
  • Ich hole mein Auto aus der Garage, für die ich einen großzügigen Anteil meiner Monatsentschädigung aufbringe, damit der Kleine auch ja im Trockenen steht. (Die Taufe war letzte Woche, er heißt „The Hoff“.)
  • Ich schließe mein Smartphone mit 15 einfachen Handgriffen und 7 Kabeln an die Auto-Stereoanlage an, um herauszufinden, dass das Handy nur mit dem „Original-Ladekabel“ lädt (kein Scherz, es geht hier um das Kabel, nicht etwa das Ladegerät).
  • Dann verlasse ich Manhattan und fahre „etwas über eine Stunde“ (wie es im Autojargon so heißt), um mich dann abends auf dem Heimweg fast zwei Stunden von dem Hornkonzert „Ihr tatet Übel“ von Hajo Schröter-Naumann beschallen zu lassen. Der Spaß kostet auch nur $12.50.

Alles in allem die Sache jedoch wert. Abschließend noch ein lustiger Screenshot von der heutigen Verkehrssituation in Manhattan. (Wohlgemerkt, es ist Samstag.)

sta